Zuletzt aktualisiert am 7. Januar 2023 um 19:11

Den dritten Sommer schon darf ich an diversen Terrassentalks der Salzburger Festspiele teilnehmen. Dies sind ausgewählte Pressegespräche, bei denen Künstler, meist sind es Regisseure, über neue Stücke bei den Festspielen berichten.

Terrasse Haus für Mozart

Ich geh dort oft sehr unbedarft hin. Ich bin keine Fachfrau, habe weder Theaterwissenschaften, noch Musik studiert. Ich bin die Frau aus dem Publikum, die sich mitunter für klassische Musik und Theater interessiert. Mitunter sage ich, weil ich durchaus gerne U-Musik höre und tatsächlich auch im TV an manchen Abend wenig hochwertige Reality Shows a la Frauentausch anschaue.

Aber seit vielen Jahren gilt meine Liebe dem Programm eines der bekanntesten, klassischen Musik- und Theaterfestivals weltweit. Ich habe keine Vorlieben und bin für vieles offen. Jedes Jahr erlebe ich wieder Überraschungen. Sei es eine Oper, deren Name mir davor eigentlich nicht bekannt war, oder auch ein Liederabend, der viele Eindrücke hinterlässt. Interessanterweise besuche ich kaum Theateraufführungen. Sieht man vom Jedermann ab.

Sommergäste von Maxim Gorki

Heuer wird sich das ändern, ich habe eine Karte für Jugend ohne Gott von Ödön von Horváth und seit gestern weiß ich, dass ich dringend auf die Perner Insel nach Hallein muss. Das ist eine Spielstätte der Festspiele in meinem Geburtsort. Und dort wird heuer an acht Abenden das Stück Sommergäste von Maxim Gorki gegeben.

Und genau um dieses Stück ging es bei gestrigen Terrassentalk, der wegen Schlechtwetters einfach in die Kulisse im Haus von Mozart verlegt wurde. Evgeny Titov wird Regie führen, er sprang sehr kurzfristig nach einem Krankheitsfall ein. Weiters stellten sich die Dramaturgin Janine Ortiz und die Schauspielleiterin Bettina Hering den Fragen.

Regisseur Evgeny Titov

Regisseur Evgny Titov

Titov wurde 1980 in Kasachstan geboren, absolvierte ursprüngliche eine Schauspielausbildung ins Sankt Petersburg, wechselte später an das Reinhard Seminar nach Wien, um dort Regie zu studieren. Seit 2016 arbeitet er unter anderem auch als Dozent an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin.

Ich gestehe, dass ich bei diesen Talks lediglich als stille Mithörerin anwesend bin, das war auch gestern der Fall, aber das Gehörte hat mich noch lange begleitet. Es war nicht nur dieser sehr sympatische, bescheidene und doch so wissende junge Regisseur Titov, als Person, es waren die vielen Denkanstösse die Titov mit nach Hause gab.

Sommergäste spielt im Jahr 1904, ein Jahr vor der russischen Revolution. Eine Gruppe gebildeter, wohlhabender und doch gelangweilter Städter verbringt den Sommer am Land. Es wird viel getrunken und ebenso viel diskutiert. Man sehnt sich nach einer erfüllten Zukunft – nach erlösender Liebe und einer sinnvollen Aufgabe. Doch man handelt nicht.

Titov hat es im Gespräch geschafft, den Inhalt in die Gegenwart zu verlagern und hat als Vergleich die momentane Diskussion über Klimaschutz gebracht, die ihre große Berechtigung hat. Er stellt jedoch in den Raum, was es bringt von einer Demo zur anderen zu ziehen, und als plakatives Bespiele, weiter aus der Plastikflasche zu trinken. Dies könne man auf viele Situationen in unserem Alltag umlegen.

Haus für Mozart Kulisse

Weniger diskutieren, mehr handeln

Das Fazit lautet, wir diskutieren viel zu viel und handeln oft zu wenig. Es ist nicht falsch über Probleme zu reden, aber man sollte sie auch handelnd ändern.

Spannend wird es sicher, wie Evgeny Titov das Frauenbild, das Gorki in Sommergästegezeichnet hat, umsetzen wird, darüber hielt er sich noch bedeckt.

Sommergäste

Premiere: 31. Juli 2019

weitere Vorstellungen: 1., 2., 3., 5., 6., 7., 8. August 2019

Perner-Insel